Montag, 26. Januar 2026

10 Alben, die mich geprägt und beeinflußt haben (Teil 2)

Live Dates" - Wishbone Ash

Es muss um 1976 oder 1977 gewesen sein und ich verbrachte meine Zeit damals bis zum Abitur in einem Internat in Meersburg am Bodensee. Im Sommer 1976 war meine musikalische Begleitung bei chronischem Liebeskummer die Single "Arms Of Mary" von Sutherland Brothers and Quiver.

Die schickten sich an im Schlepptau von Wishbone Ash auf Europatournee zu gehen und sollten einen Abstecher in der Oberschwabenhalle in Ravensburg machen. Die wollte ich unbedingt sehen und ich machte mich mit Freunden auf den Weg dorthin. 

Aus unerfindlichen Gründen wurden Sutherland Brothers and Quiver aber durch die deutsche Band "Lake" ersetzt, was sich aber als gar nicht so schlimm herausstellen sollte. Im Gegenteil! Doch dazu mehr in einem anderen Beitrag.

Wishbone Ash hatte ich damals noch gar nicht auf dem Schirm, was sich aber schlagartig ändern sollte.
Ausgestattet mit Teppich, Räucherstäbchen und so anderem Zeugs wurde ich am Bühnenrand sitzend bei Wishbone Ash zum "Ohrenzeuge" eines musikalischen Erdbebens, dass mich im Innersten zutiefst erschütterte. Was Andy Powell und (damals) Laurie Wisefield an den Gitarren ablieferten, liessen mich den unerschütterlichen Entschluß fassen: das möchte ich auch einmal machen! Ich will Musiker werden! 

Wishbone Ash Live at Rockpalast, Full Concert 1976

Sorry, mehr kann ich über das Konzert nicht berichten, da ich gut zwei Stunden völlig paralysiert war.

Gott sei Dank konnte ich das ganze mit "Live Dates", dem 1973 erschienenen ersten Live-Album Wishbone Ashs, wieder im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte noch einmal halbwegs nachvollziehen, wenn auch darauf mit Gründungsmitglied Ted Turner an der zweiten Gitarre.

Live Dates (1973) gilt als eines der herausragenden Live-Alben der Rockgeschichte und als definitive Visitenkarte von Wishbone Ash. Aufgenommen während mehrerer UK-Tourneen, fängt das Album die Band auf dem Höhepunkt ihres Zusammenspiels ein und zeigt eindrucksvoll ihr Markenzeichen: die harmonisierten Twin-Lead-Gitarren von Andy Powell und Ted Turner
Klassiker wie „The King Will Come“, „Warrior“ oder „Blowin’ Free“ entfalten live eine rohe Energie und musikalische Tiefe, die viele Studioversionen übertrifft. Live Dates ist weniger Rückblick als vielmehr ein Statement – zeitlos, dynamisch und bis heute ein Referenzwerk für melodischen Hard Rock und Progressive Rock der frühen 1970er Jahre.

Playlist




Was ich an Andy Powell schätze, sind seine shredder-freien, geschmackvollen Improvisationen genauso wie seine Akkordarbeit jenseits von bloßem Powerchords-Gedresche. Seine Soli sind nie langweilig und Selbstzweck wie bei den meisten Gitarren-Heroen der Neuzeit.

Warum Powell in den einschlägigen Listen der einflußreichsten und besten Gitarristen der Rockgeschichte häufig übergangen wird, ist seinen Fans ein immerwährendes Rätsel. 

2018 konnte ich Andy Powell nach einem Konzert im Burghof in Lörrach endlich nach über 40 Jahren persönlich mitteilen, dass er maßgebend für meinen Lebensweg als Musiker war. Er quittierte es mit einem Lächeln und dem Satz: "Oh, what a nice story!"

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